Hier einer meiner ersten Reiseberichte von 1998. Damals hatte ich einen Blog nur übers Motorrad fahren. Die Fotos waren entsprechend sehr klein und pixelig. Damals hatte das Internet noch nicht die heutige Geschwindigkeit.

Es ist April 1998 und ich habe zwei Wochen Urlaub. Also höchste Zeit, mit meiner nagelneuen, gerade eingefahrenen Yamaha Diversion eine längere Tour zu unternehmen. Als Ziel dieser Tour habe ich mich schnell für den Bodensee entschieden. Daran nicht ganz unschuldig ist das Zeppelinmuseum in Friedrichshafen, dessen Besuch ich mir schon lange vorgenommen habe. Außerdem herrscht am Bodensee doch meistens gutes Wetter, oder? In Düsseldorf regnet es zumindest. Der April macht seinem Namen alle Ehre. Na egal, es wird schon in ein paar Tagen aufhören, bestimmt! Ich habe schließlich zwei volle Wochen Urlaub. Kein Grund zur Panik, einfach gelassen bleiben und zusehen wie die Regentropfen die Fensterscheibe runterlaufen. Die paar Tage sind nun vorbei, keine Besserung in Sicht. Schnell ist die ganze erste Woche um, ohne dass ich losgefahren bin. Die Aussicht auf eine Fahrt im strömenden Regen begeistert mich nicht gerade. Montag, meine zweite und letzte Urlaubswoche. Jetzt werde ich doch langsam nervös, zumal ich spätestens freitags zurück sein muss, da das folgende Wochenende bereits verplant ist.
Der Wetterbericht verheißt immer noch nichts Gutes. Wenn ich überhaupt noch fahren möchte, muss ich den Regen wohl in Kauf nehmen. Schnell alles nötige in die Gepäckrolle und einen Rucksack gepackt und los geht es. Wird schon nicht so schlimm werden, denke ich. Der neue Klapphelm erweist sich schnell als regenuntauglich. Also fahre ich die meiste Zeit mit offenem Visier und genieße eine kostenlose Gesichtsdusche. Wegen der Kürze der Zeit reise ich über die Autobahn an. Bei Stuttgart erwartet mich dann noch eine besondere Überraschung. Es hagelt als gäbe es kein Morgen mehr. Ruckzuck ist die Straße Zentimeterhoch bedeckt und entsprechend rutschig. Beide Füße auf dem Boden, taste ich mich im Schritttempo über die Autobahn. Den Autofahrern geht es da besser. Langsam denke ich das der Wettergott etwas gegen Biker hat. Endlich, nach über 700 Kilometern erreiche ich den Campingplatz in Konstanz. Bei strömendem Regen baue ich mein Zelt auf, was zum Glück recht schnell geht. Meine Motorradsachen sind völlig durchnässt, und ich habe aus Platzgründen keinen Ersatz mit. Hoffentlich ist es Dienstag trockener. Erschöpft schlafe ich im Zelt ein.
Am nächsten Morgen erwache ich durch das Geräusch des prasselnden Regens auf meinem Zelt. Erst mal ab unter die warme Dusche und dann nach einem Frühstück Ausschau halten. Ich steige in die immer noch nassen Motorradklamotten und schaue mich in Konstanz um. Gar nicht so einfach hier ein Frühstück zu bekommen. Der Tourismus befindet sich noch im Winterschlaf, was auch die Tatsache belegt, dass ich momentan der einzige Gast auf dem Campingplatz bin. Also ab in ein Fastfoodrestaurant. Hauptsache jede Menge heißen Kaffee. Ich beschließe heute trotz Regens eine kleine Runde durch die Umgebung zu drehen. Am Nachmittag lässt der Regen endlich nach, um dann ganz aufzuhören. Endlich! Ich bekomme schon langsam Schwimmhäute zwischen den Fingern. Meine Tour führt mich zum Gnadensee, wo ich an einem alten Anlegesteg Pause mache und die Seele beim Anblick des ruhig daliegenden Sees ein wenig baumeln lasse. So klingt der Tag dann doch noch positiv aus.
Als ich am Mittwoch aufstehe, werde ich von strahlendem Sonnenschein empfangen. Dass zwischendurch auch noch ein paar Wolken zu sehen sind, kann meine Freude nicht trüben. Die Motorradsachen sind auch endlich trocken. Nach dem Frühstück mache ich mich auf zur Fähre, um auf die andere Seite überzusetzen. Heute geht es nach Friedrichshafen ins Zeppelinmuseum. Entlang der kurvenreichen Bodenseeküste fahre ich nach Friedrichshafen. Bei jetzt trockener Straße und ohne Gepäck macht das Kurvenräubern richtig Spaß. Ich erreiche die Stadt und stelle mein Motorrad platzsparend am Rande einer Fußgängerzone ab, so dass es nicht im Weg steht. Jetzt ist erst mal ein kleiner Stadtbummel angesagt. Mein Weg führt mich schließlich zum Hafen, wo gerade eine Fähre Richtung Schweiz ablegt.


Wenige Meter weiter finde ich das Zeppelinmuseum. Seit ich als kleines Kind von meinem Opa ein altes Buch aus den dreißiger Jahren über Zeppeline geschenkt bekam, faszinieren mich diese Fluggeräte. Noch heute halte ich das Buch in Ehren. Jetzt erfülle ich mir also meinen Traum vom Besuch des Museums. Die Fülle der dort vorhandenen Exponate und Informationen erschlägt mich beinahe. Jede Menge Technik und sogar Nachbauten der Kabinen und Salons der Hindenburg. Dort liegt ein gut zwei Meter langer Aluminiumträger eines Luftschiffgerippes. Es ist erlaubt, den Träger anzuheben. Da er aus Aluminium ist, erwarte ich schon nicht ein so hohes Gewicht. Aber das ich ihn mit einem Finger anheben kann überrascht mich dennoch. So leicht wie der Träger ist, müsste er eigentlich von alleine schweben. Schnell geht die Zeit im Museum um. Langsam wird es Zeit für die Rückfahrt nach Konstanz.




Ich beschließe mit der Fähre in die Schweiz überzusetzen und auf der anderen Seite weiterzufahren. Da der Bodensee hier sehr breit ist, dauert die Fährfahrt fast eine dreiviertel Stunde. Ich genieße die Fahrt, auch wenn mir nicht besonders wohl ist bei dem Gedanken, das meine Diversion alleine zwischen all den LKWs steht.



In Romanshorn angekommen, mache ich mich auf den Weg nach Konstanz. Morgen ist bereits der letzte Tag meiner Reise.



Ich wache auf und stecke meine Nase aus dem Zelt. Merkwürdige Schnatter Geräusche haben mich geweckt. Direkt neben meinem Zelt entdecke ich eine Schar Enten, die sich angeregt unterhalten. Die Sonne strahlt von einem wolkenlosen Himmel. Jetzt wo meine Reise zu Ende geht, stabilisiert sich das Wetter. Das verspricht zumindest eine trockene Rückfahrt. Schnell packe ich meine Sachen und das Zelt zusammen und belade die Yamaha. Nachdem die Formalitäten mit dem Platzwart erledigt sind, mache ich mich auf den Weg nach Hause. Frühstücken werde ich irgendwo unterwegs. Ich fahre einige Landstraßen bis ich dann doch auf die Autobahn auffahre. Kaum Verkehr, und herrliches Wetter. Ich lasse meine kleine Divi rollen. Der Asphalt fliegt unter uns hinweg und wir machen ordentlich Strecke. In der Nähe von Koblenz mache ich noch mal Rast, mit herrlichem Ausblick aufs Moseltal. Dann geht es weiter nach Hause, wo ich schon erwartet werde. Im Vergleich zur verregneten und verhagelten Hinfahrt ist die Rückfahrt ein echtes Vergnügen. Das stimmt mich wieder etwas versöhnlicher mit dem Wettergott. Vielleicht ist er ja doch Biker.
Jennifer aka SonneWolken